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Friedrich Mockert

Friedrich Mockert  1866 - 1936
                                            Pfarrer in Nümbrecht von 1897 bis 1908


 „Der Herr hat Großes an uns getan“. – das war sein Zeugnis
„Kommt zu Christus, lasst euch erlösen“,  war sein Ruf an alle, denen er diente
.

                                      
Am 8. Juni 1866 wurde er in Kuppen  bei Saalfeld, Kreis Mohrungen, in Ostpreußen geboren.
Er war der älteste Sohn von Karl Friedrich Mockert, der dort Gutsbesitzer war. Seine Mutter Mathilde, geborene Berndes, stammte aus Hamburg. Mit seinen beiden Brüdern und einer Schwester verlebte er auf dem elterlichen Gut eine fröhliche Kindheit. Gerne erinnerte er sich an die Sonntagnachmittage, wo die Mutter den Kindern aus der Kinderbibel biblische Geschichten vorlas und erklärte. Er interessierte  sich für die Äußeremission und ging gerne mit seinen Eltern auf die Missionsfeste in der Umgebung.
Als er neun Jahre alt war, siedelte die Familie nach Wuppertal-Vohwinkel über, wo der Vater die Leitung einer Fabrik übernahm. Mit seinem Bruder Willi besuchte er das Elberfelder Gymnasium.
Die Gründung der Schüler-Bibelkreise (BK)
Hier hat er mit seinen Kameraden den ersten Bibelkreis gegründet. Er konnte nicht ahnen, dass er der Motor dieser BK-Bewegung sein und dass aus diesem Samenkorn einmal ein stabiler Baum werden würde. Sie breitete sich über ganz Deutschland aus. Tausende von Schülern und Schülerinnen kamen so mit dem Evangelium in Berührung. Mockert war ein kämpferischer, mutiger junger Mann, der von Gott mit einem feurigen Geist und einer brennenden Liebe beschenkt war. Aus diesen BK entstand dann noch während seiner Studienzeit eine Studentenmission (Deutsche christliche Studentenvereinigung.) Persönlich empfing er in jener Zeit als Theologiestudent reichen Segen durch die Professoren Christlieb und Schlatter. Nach seinen beiden Theologieexamen wurde er 1890 als Sekretär der Bibelkreise angestellt.
Ein großes tief greifendes Ereignis war ein Studentenzeltlager in Chicago, an dem er mit einer Delegation teilnehmen durfte. Dort hörte er den gesegneten Erweckungsprediger Moody. Diese Begegnung wurde für ihn zu einem Ansporn, mit noch mehr Eifer die Sache des Herrn unter höheren Schülern und Studenten vorranzutreiben.
Er reiste durch ganz Deutschland und ermutigte die jungen Christen, sich für die Sache des Evangeliums an den Schulen einzusetzen. Diese Bibelkreisbewegung sollte  - nach Gottes Willen - etwas von der Königsherrschaft Jesu Christi verwirklichen. Impulse hatte er als Jugendlicher durch Pfarrer Christoph Blumhardt, dem Ältern, in Möttlingen erhalten. Mockert war beeindruckt von dessen Vollmacht.
In den Schülerbibelkreisen sollten Menschen gesammelt werden, die ihre jugendliche Blüte und ihre Kraft dem höchsten König zu Eigen gäben.
Es gab ein unglaubliches Wachstum der BK-Bewegung. Für diese Aufgabe hatte Gott Mockert mit einem eisernen Willen und einer fröhlichen Zielstrebigkeit ausgerüstet.
Zugleich waren ihm zwei andere Männer zugeordnet worden, weil Gott weiß, dass einer nicht alle Gaben in sich vereinigen kann. Die Eigenart eines Menschen verlangt nach Ergänzung.
Seine mitverantwortlichen Brüder waren Wilhelm Weigle, ( 1887- 1890 in Nümbrecht) und Alfred Christlieb, (1895-1896 in Nümbrecht) die beide als Hilfsprediger ihren Pfarrdienst bei Pfarrer Engels taten.
Friedrich Mockert trat die Stelle von Alfred Christlieb an, der als Pastor nach Heidberg berufen worden war. Christlieb war in seiner zurückhaltenden, sorgsam abwägenden, manchen fast zu langsamen Art eine wichtige Ergänzung für den Feuergeist Fritz Mockert.
Und Wilhelm Weigle? Dieser Mann mit den glühenden Augen, der mit den Kindern und Jugendlichen umhertollen konnte, war ein Jugendseelsorger sondergleichen.  Er hatte die Gabe, Jugendlichen die Botschaft der Bibel lieb zu machen und sie zu einer frohen Glaubensgewissheit zu führen. Er sorgte dafür, dass die BK- Bewegung ihre Tiefe behielt. Denn immer wieder zeigte sich, dass manche Gruppen die Neigung hatten, sich von der Bibel weg anderen Dingen zuzuwenden und abzuirren.
Hilfsprediger und Pfarrer in Nümbrecht
1898 heiratete er die Tochter des Landrats von Hymmen in Hagen (Westfalen) Elisabeth.
Ein Jahr zuvor war er als Hilfsprediger durch Pastor Gerhard Jacob Engels nach Nümbrecht berufen wurde. Als dieser im Februar 1897 in verstarb, wurde er in die Pfarrstelle gewählt.
Friedrich Mockert wurde für einen wichtigen Dienst gebraucht. Das Oberbergische war zur Hochburg des Liberalismus geworden. Da konnte der Herr so einen Feuerkopf wie Mockert gebrauchen.
Schon als junger Kandidat wagte er es, den hochgeehrten Superintendenten Hollenberg auf schärfste anzugreifen, weil er „die Gottessohnschaft“ Jesu und „die Versöhnungskraft des Blutes Christi für uns“ leugnete.
Gleich 1897 protestierte er gegen eine Schrift, die Pfarrer Hollenberg über dieses Thema herausgegeben hatte. Damals wurde eine Art Bekenntnisbewegung gegründet, welche die Bezeichnung  „ Bund der Freunde des Evangelischen Bekenntnisses“ führte. Auf den Konferenzen und Synoden scheute sich Mockert nicht für die Wahrheit der Bibel einzustehen.
In Nümbrecht arbeitete er mit vollem Einsatz. Später sagte er: „Nümbrecht sei seine erste Liebe gewesen“.
Er war nicht nur ein guter Erweckungsprediger. Lange Zeit erzählten „die lieben Nümmerter“, wie er sich für alle Nöte bis ins Kleinste hilfreich einsetzte. Sein diakonischer Dienst war beispielhaft.
Inzwischen war eine zweite Pfarrstelle eingerichtet worden. In diese Stelle wurde Johannes Conrad berufen. Mit seinem Freund und Bruder Johannes hatte er jeden morgen eine Gebetsgemeinschaft. Beide hatten erkannt, dass es im Werk des Herrn nicht an jemanden Wollen und Laufen,  sondern an Gottes Barmherzigkeit liegt. So war es ihnen ein Anliegen, jeden Tag die Belange der Gemeinde im Gebet vor Gottes Angesicht zu bringen. Sie hielten auch daran fest, wenn sie in gewichtigen Gemeindefragen ganz entgegengesetzter Meinung waren. Klar, dass sich manchmal bei diesen Männern die Beratungen dann in die Länge zogen, wenn sie sich nicht einigen konnten. So mussten leider die Hausfrauen oft mit dem Essen warten.
Sie waren beide durchdrungen von der Wichtigkeit ihres Auftrages. So war es selbstverständlich, dass nur das in der Gemeinde umgesetzt werden konnte, worauf beide sich geeinigt hatten.
Wer die Abkündigungsbücher jener Zeit durchstöbert, dem kann es schier schwindlig werden von der Menge der Bibelstunden und Veranstaltungen, die sonntäglich der Gemeinde im Gottesdienst angezeigt wurden.
Nümbrecht  mit seinen 45 Ortschaften lag weit auseinander. Mockert dauerte es zu lange, zu Fuß von einem Ort zum andern zu eilen. Darum schaffte er sich ein Fahrrad an. Die Gemeinde musste sich daran gewöhnen, dass nicht mehr der alte Pastor Engels langsam und bedächtig durch die Ortschaften ging.
Mockert hatte das starke Bedürfnis die Leute persönlich zu kennen. So gab er sich große Mühe, die Gemeinde durch zu besuchen.
Weil er durch seine BK - Arbeit weit in Deutschland herumkam, konnte er viele Beziehungen knüpfen. Er zog Festredner zu den Jahresfesten von weither heran.. Eine Fülle von guten Anregungen ist so in die Gemeinde eingeflossen.. Es kamen Männer nach Nümbrecht, deren Namen und Arbeit einen guten Ruf hatten: Adolf Stöcker, Franz Behrens, Otto Stockmeyer, Samuel Keller u.a.m.
Das Interesse an der Weltmission, das Pastor Engels gepflegt hatte, wurde bei ihm weiter entwickelt. So sammelte er für die armenischen Waisenkinder, die durch den Völkermord der Türken in aussichtlose Not geraten waren. Neben seinem Pfarrhaus stand das kleine Nümbrechter Waisenhaus, welches durch Pfarrer Thümmel gegründet worden war. Mit großer Treue hat er auch diese Aufgaben wahrgenommen.
Der Höhepunkt seiner Nümbrechter Zeit war die Erweckung 1905 – 1906.
In elf Gemeinden des Oberbergischen zeigte sich dieser Aufbruch. Es waren tief bewegende Versammlungen. Es wurde viel gebetet, so dass Frauen und Männer nach vielen Kämpfen zur Freiheit des Glaubens durchbrachen. Die Bewegung durchdrang die ganze Gemeinde Nümbrecht. Hunderte bekannten ihre Übergabe an Jesus Christus.
Die Pflege dieser Erweckten lag Mockert am Herzen. Die Zahl der Gemeinschaftskreise, die sich um Gottes Wort sammelten, wuchs. Er merkte, dass hier die Mitarbeiter benötigt und angeleitet werden sollten. Ab 1907 fanden diese Schulungen für Mitarbeiter der Vereine, Gemeinschaften und Sonntagsschulen monatlich statt. Aus diesem Grunde hat er auch die Schaffung Landeskirchlicher Gemeinschaften sehr gefördert.
Weil er ein sehr handwerklich begabter Mann war, wurde auch die Renovierung der Kirche in Angriff genommen. Der Bau des Engelstiftes (Krankenhaus und Altersheim) fiel in seine Zeit.
Die Kirchenzeitung „ Der Volksbote“, die monatlich erschien, wurde in eine Wochenzeitung umgewandelt.
Als Pfarrer Engels gestorben war, meinten viele, dass es nun mit der Gemeinde bergab ginge. Durch Gottes Gnade war das Gegenteil der Fall. Er hat das christliche Erbe erhalten und gefördert.
Pfarrer in Frankfurt Nord-Ost
Nach dreizehn Jahren kam ein Ruf von Herrn de Neufville, der das Vereinshaus Nord-Ost in Frankfurt am Main erbaut und eine entschiedene evangelische Arbeit ins Leben gerufen hatte. Mockert kam diese Berufung entgegen, weil seine Frau sehr kränkelte. Von 1908 bis 1917 tat er mit unverminderter Tatkraft seine Arbeit in der Großstadt.
In „Nord Ost“ blühte ein reges Vereinsleben. Ganz besondere Freude hatte er an dem gemischten Chor, der unter der Leitung des Lehrers Konrad Hervorragendes leistete und z.B. auch bei den Riesenveranstaltungen im Zirkus Schumann diente.
Er war in seiner Frankfurter Zeit auch zweiter Vorsitzender der Sudan-Pioniermission. Im Auftrag der Mission reiste er 1913 nach Ägypten und in den Sudan, um die dortigen Missionsstationen zu besuchen. Im Anfang des 1. Weltkrieges verstarb seine liebe Frau. Sie hinterließ ihm drei Töchter. Zwei Jahre später heiratete er Freda von Werthern aus Naumburg an der Saale, die er bei einer Gnadauer Konferenz kennen gelernt hatte.
Eine zusätzliche Aufgabe forderte ihn während des Krieges durch die Betreuung von fünf Lazaretten, durch den Schriftenversand an die Front und durch den großen Schriftwechsel mit vielen Soldaten.
Rückkehr ins Oberbergische
Aufregend war, dass er mitten im ersten Weltkrieg einen Ruf als Pfarrer nach Waldbröl erhielt, wo zuvor Pfarrer Hollenberg als Superintendent gewirkt hatte. Das war der Mann, mit dem nicht nur Mockert, sondern auch Pastor Dammann in seinem Wochenblatt „Licht und Leben“ einen harten Kampf gegen seine theologische Liberalität geführt hatte.
Für die erweckten Leute im Oberbergischen war das wie ein Wunder. Zwölf Jahre wirkte er mit seinem treuen Mitbruder Meiswinkel in den 65 Ortschaften, die zum Kirchspiel Waldbröl gehörten.
Er hat immer wieder Mitarbeiter gesucht. Es war für ihn selbstverständlich, dass er solche brauchte. Gerade in der BK-Arbeit war das unerlässlich. Er benötigte in den Orten geeignete Leute, die die Kreise übernahmen. Sie galt es zu pflegen, zu ermutigen, aber auch vor Entgleisungen zu bewahren.
Als Allianzmann hatte er auch zu den freikirchlichen Geschwistern ein herzliches Verhältnis. Er liebte seine Kirche, hatte aber auch Verständnis für andere Bewegungen, vor allem für die Baptisten und Methodisten, die er in Amerika kennen gelernt hatte.
Er war für seine Mitarbeiter nicht immer leicht zu ertragen. Sein Eifer war manchmal unbequem. In seiner offenen direkten Art schreckte er auch nicht davor zurück einem Freund derb die Meinung zu sagen.
Aber er benutzte seine Mitarbeiter nie als Nummern oder Schachfiguren. Die Zusammenarbeit mit ihm wurde durch seine ermutigende Bruderliebe erleichtert und war getragen durch herzliche und persönliche Gemeinschaft.
Er ging Mitarbeiter mit einer erstaunlichen Geduld nach und richtete sie auf. Er konnte sich mit ihnen freuen, aber auch mit ihnen leiden. Mit ehrlicher und aufrichtiger Demut konnte er bekennen: „Nichts hab ich zu bringen, alles Herr, bist du“.
Die Not der Zeit erforderte- so meinte er – auch eine aktive Mitarbeit in der Politik.
Er stand der  deutsch-nationalen Volkspartei nahe. Sein Anliegen war, die Menschen vor den Irrtümern des Marxismus zu schützen. Sein Kampf galt der verheerenden Arbeitslosigkeit. Er war königstreu und kein Freund der Demokratie. Die „gottesleugnerische Sozialdemokratie“ war ihm ein Dorn im Auge. Zur Abwehr pflegte er die christlich-soziale Bewegung und holte auch den Hofprediger Stöcker aus Berlin zu Vorträgen nach Nümbrecht und Waldbröl. Die soziale Fürsorge setzte er praktisch und beispielhaft in vielen Dingen um. Die notvolle Wirklichkeit in Europa schien ihm recht zu geben. Von daher hat er den aufbrechenden Nationalsozialismus und seine Gefährlichkeit nicht richtig eingeschätzt. Hitler verkörperte für ihn den von Gott gegebenen Führer.
Intensiv förderte er auch in seiner Waldbröler Zeit die BK- Arbeit und baute auf dem Abbenroth bei Nümbrecht ein Wirtshaus zum Freizeitheim um. Noch 1933 hat er mit großer Freude das 50-jährige Jubiläum der BK-Arbeit miterlebt und mitfeiern können. Tausende kamen damals am Hermannsdenkmal zusammen. Bei der Machtergreifung Hitlers und der darauf folgenden  zwangsmäßigen Eingliederung alle Jugendverbände in die Hitlerjugend, hat Mockert wohl zum ersten Mal gemerkt, dass der Weg in die Irre führte. Auch sein Haus wurde von den Hitlerjugendverbänden enteignet, seine BK-Arbeit zerschlagen.
Bei seiner anstrengenden Tätigkeit hatte er immer einen Pfahl im Fleisch: ein Magenleiden. Dieses Leiden zwang ihn im Jahre 1929 in den Ruhestand zu gehen und seine Gemeinde zu verlassen.
Sein „Unruhestand“
Weil er nicht untätig sein wollte, meinte er, noch in einer kleinen Düsseldorfer Vorstadtgemeinde mit dem Wort dienen zu können. Nach kurzer Zeit aber verschlimmerte sich sein Magenleiden so sehr, dass er sich am 31. Juli 1929 operieren lassen musste. Die Operation gelang.
Er gewann neue Kraft und fuhr im Herbst mit einigen Gemeindeglieder ins Oberbergische. Es war eine notvolle Zeit für die Stadtbevölkerung. Seine Helfer sammelten Kartoffel und andere Schätze für die armen Familien.
Vier Jahre hat er in dieser Gemeinde mit großer Freude gearbeitet. Weil in jener Zeit die Erwerbslosigkeit rasant zunahm, übernahm er auch noch die „Düsseldorfer Volksmission“. Er wandte viel Kraft und Geldmittel auf, aber auch herzliche Liebe, um für die Ärmsten unter den Armen da zu sein. Als er die Volksmission anderen übergeben konnte, meldete er sich für eine verwaiste Pfarrstelle in Bad Saarow in Brandenburg.  Hier hat er noch vierzehn Monate gearbeitet, viele Hausbesuche gemacht, die konfirmierte Jugend unter Gottes Wort gesammelt und einen Kirchenchor gegründet.
Mitten in der Arbeit traf ihn die Krankheit, die zu seinem Sterben führen sollte. Nach dem er am 7. Juni 1936 seinen 70. Geburtstag feiert hatte, kam er ins Krankenhaus. Am 1. Juli wurde er operiert. In Folge einer Störung des Blutkreislaufes verstarb er am Sonntag, dem 5. Juli 1936 beim ersten Klang der Kirchenglocken an Herzschwäche. Auf dem Waldfriedhof von Bad Saarow  wurde er unter großer Anteilnahme beerdigt
.

Quelle: „ Fritz Mockert“, Verlag Adolf Reuter, Wiehl 1936
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