Jakob Gerhard Engels
Nümbrechter Erweckungsprediger und Seelsorger
1826-1897
Pfarrer in Nümbrecht von 1851- 1897
Kein Pfarrer im Oberbergischen hat einen so nachhaltigen Einfluss auf die kirchliche Entwicklung ausgeübt und keiner solche segenstreiche Spuren hinterlassen, wie Pastor Jakob Gerhard Engels, der von 1851 bis 1896, in der Gemeinde wirkte.
Er wurde als Sohn des Pfarrer Johann Jakob Engels 1926 in Inden am Niederrhein geboren.
In Köln hat J .G. Engels den größten Teil seiner Jugend verlebt. Mit 18 Jahren bezog er die Universität und studierte in Bonn und Berlin. Als Student beteiligte er sich lebhaft im Jünglingsverein (CVJM) seiner Heimatstadt
Er trat sehr jung, gerade 25 Jahre alt, im Jahre 1851,in Nümbrecht die Nachfolge des Erweckungspredigers Ernst Hermann Thümmel an, der in fünf Jahren schwerer Arbeit versucht hatte, den Herzensboden der Nümbrechter Bürger für die Sache des Reiches Gottes aufzuweichen. Oft war er mit harter Hand vorgegangen. Seine Feinde frohlockten, als er eine Pfarrstelle in Wuppertal annahm. Dennoch konnte er in seinem Abschiedsgottesdienst erklären, dass viele in Nümbrecht für Jesus gewonnen seien.
In sozialer Hinsicht sah es immer noch traurig aus. Die Gemeinde war überbevölkert. Die Erwerbsmöglichkeiten waren gering. Armut und Schlendrian griffen auch nach dem Dienst von Pastor Thümmel weiter um sich. Saufereien und Schlägereien waren an der Tagesordnung.
Gerhard Jakob Engels war ein stiller Mann, der gütig und freundlich auftrat, und so sehr schnell das Vertrauen der Gemeindeglieder gewann. Das heißt aber nicht, dass er nicht gradlinig und konsequent die Wahrheit des Evangeliums vertrete hätte. Nein, so war es nicht! Das zeigten seine Predigten und auch seine praktischen Anweisungen zum Leben im Alltag, die er im Gottesdienst vom Abendmahlstisch aus vortrug.
Später war es so, dass viele nach Nümbrecht kamen, um eine Gemeinde zu sehen, in der echte Hingabe an Christus gelebt wurde und wo Menschen mit großem Ernst der Heiligung nachstrebten.
Nach der Beurteilung seines Freundes Pastor Funcke aus Holpe, war Pastor Engels kein feuriger Redner, dennoch gingen von seinen Gottesdiensten nach dem Berichten der Zeitzeugen große Wirkungen aus. Seine Verkündigung hatte Tiefgang, er bot keine Milch, sondern Schwarzbrot an.
Nicht nur Ungläubige wurden erweckt und fanden das Heil in Jesus Christus. Er begleitete auch die Menschen, die sich schon in der Jüngerschaft befanden, auf dem Weg zu einer tieferen Gemeinschaft mit ihrem Herrn,.
Von den weit zerstreut lebenden 6000 Gemeindegliedern kamen in den 50. Jahren sonntags durchschnittlich mehr als 1500 Besucher zu den Gottesdiensten, später noch mehr.
Seine erweckliche Predigt war begleitet von einem ernsthaften diakonischen Handeln. Aller Dienst war mit einer ehrlichen und einfühlsamen Seelsorge verbunden.
Schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt gründete er einen Armenverein, der den Unbemittelten im Winter die Kohlen- und Brennholzversorgung ermöglichte.
Ein in Nümbrecht gegründeter Enthaltsamkeitsverein brachte es in seiner Zeit auf eine Mitgliederzahl von 766 Personen. Das hatte ungeahnte Folgen für die armen Familien, deren Land durch Erbteilung immer kleiner geworden war. Nun vertranken die Väter nicht mehr ihr schwerverdientes Geld in die Wirtschaften. Die Frauen gewannen neuen Lebensmut. Pastor Engels strich bei seinen Hausbesuchen über den Küchenschrank und fand keinen Staub mehr: „ Frieda, wie schön, bei euch hat auch eine neue Zeit begonnen.“
Er packte auch sehr praktisch zu. Zwischen zwei Gemeindeglieder war wegen einer Kuh Streit ausgebrochen, der nicht zu schlichten war. Kurzer Hand legte Engels das Geld aus eigener Tasche auf den Tisch und setzte der Auseinandersetzung so ein Ende.
Zwei Nachbarn stritten sich um die Nutzung eines Weges, der zwischen ihren Häusern verlief. Pastor Engels lud die Kontrahenten in sein Haus ein. Als es ihm nicht gelang, dass sich die beiden einigten, kaufte er den Weg, lies das ins Grundbuch eintragen und stelle ihn beiden den Weg zur Verfügung.
Wer sonst über Pfarrer zu schimpfen gewohnt war, den Pastor Engels nahm er bestimmt aus.
Ein innerlich zerrissener Mensch kam zum Frieden einfach dadurch, dass er am Ende eines Missionsfestes Engels den Segen sprechen hörte.
Im Jahr 1861 brach die Ruhrseuche in Nümbrecht aus. An einem Nachmittag hatte Engels sieben Beerdigungen zu halten. Die letzte um sieben Uhr abends. Nach der letzen Trauerfeier fragte er seinen Freund Robert Koch: „In Heddinghausen liegen einige Schwerkranke die meinen Besuch wünschen. Kannst du mich begleiten?“ Robert war bereit. So gingen sie an diesem Abend zu allen Schwerkranken im Dorf. Auf dem Heimweg blieb Engels stehen: „ Schaffen wir es noch, die Kranken in Göpringhausen zu besuchen. „Gut“ sagte Robert Koch, dann gehen wir dort auch noch hin. Spät in der Nacht traten sie ihren Heimweg an.
Ein anderes Mal führ Pastor Engels mit einer Kutsche. Er bat den Fußgänger, der des Weges kam, aufzusteigen. Engels nutze die Gelegenheit dem Gast zu sagen: „Es liegt mir daran, dass du auch zu dem Herrn kommst.“
Den jungen Männer und ihre Väter, die im Sommer als Pflasterer nach Wuppertal gingen, ermahnte er und sagte: „Darf ich noch eine Bitte aussprechen?
1. Trinkt keinen Brandwein, weder auf der Baustelle, noch in eurer Unterkunft, noch in den Wirtshäusern! 2. Lasst das Wort Gottes Licht auf eurem Weg sein. 3. Lest täglich darin! 4. Feiert den Sonntag! Denkt immer daran! Der Herr sieht euch.“
Engels wusste, Christsein vollzieht sich im Alltag
Weil er ein Mann war, der ganz in den Nähe seines Herrn lebte, gingen starke Wirkungen von ihm aus. Die Leute hatten den Eindruck, der lebt, was er glaubt. Er warb in seinen Gottesdiensten und Predigten um eine ungeteilte Herzenshingabe an den Herrn Jesus. Er kämpfte auch bei sich selbst unerbittlich darum.
Er schrieb seiner Mutter: „Was mache ich meinem Herrn viel Arbeit. Ich fühle es tief. Dass es mir doch gelingen möchte zu mehr Ton in seiner Hand zu werden.“
Als im Jahre 1873 in Cronenberg nach einer Festpredigt die Menschen an die Haustür seines Gastgebers kamen um ihn zu sehen, sagte er: „Liebe Leute geht nach Hause! Wenn das Fest richtig gewesen wäre, müsste es jetzt nicht heißen, sie wollten Engels sehen, sondern: „Sie sahen niemand als Jesus allein:“
Gerhard Jakob Engels war kein Einzelkämpfer. Seine Vollmacht lag darin, dass er zum brüderlichen Teamwork bereit war und das Priestertum aller Gläubigen umsetzte. Er scharte Brüder um sich, die mit ihm die Verantwortung für die weitverzweigte Gemeinde übernahmen.
Hier ist besonders Lehrer Lang, aus Driesch, zu nennen (heute Bierenbachtal) und Lehrer Ley, aus Alsbach. Der eine lebte im oberen Kirchspiel, der andere im unteren. Oft weilte der Pfarrer in ihren Häusern. Lehrer Ley war in der Regel sonntags Gast bei Pastor Engels. Die Leute sagten: „D’r Engels und d’r Ley“
Zur Mannschaft gehörte auch der Maurermeister Dickel aus Nümbrecht, der lange Zeit Kirchmeister war. Der hatte in seinen jungen Jahren mit dem Evangelium nichts am Hut. Nach einer schweren Krankheit konnte ihn Pastor Thümmel zu einem wahren Leben aus Gott verhelfen.
Eine enge Glaubensgemeinschaft verband ihn mit Pastor Strube aus Odenspiel, Pastor Otto Funke aus Holpe und Pastor Trommershausen aus Wiedenest.
Es gab Boten der Evangelischen Gesellschaft und des Brüdervereins, mit denen er gut zusammen arbeitete. Diese Männer aus der kirchlichen Gemeinschaft hatten Vollmacht. Sie besaßen die evangelistische Gabe. Es ging ihnen ausschließlich um die Verkündigung des Wortes. Durch ihren Einsatz deckten sie viele Bibelstunden in den Höfen ab.
Später stellte die Kirchengemeinde vom Evangelium geprägte Hilfsprediger ein, die heute noch in guter Erinnerung sind: Leonhard Müller, August Bergfried, Friedrich Mockert, Wilhelm Haarbeck, Wilhelm Weigle, Alfred Christlieb und viele andere.
Auf den Höfen gab es auch erweckte Gläubige die aus großer Überzeugung die Arbeit mittrugen.
Eine besondere Tür tat sich für Pastor Engels und seine Gemeinde auf, als im Jahre 1877/78 eine Erweckung in Nümbrecht und Waldbröl für einen erstaunlichen Aufbruch sorgte. Die Impulse kamen durch Nümbrechter Maurer und Pflaster, die in Barmen den vollmächtigen Pastor Roffhack gehört hatten und dann bekehrt hatten. Es war wie bei einem Feuer, das in Großgaderoth begann und dann in Laufe der Zeit andere Ortschaften erreichte. Pastor Engels freute sich darüber.
Engels sah seine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass es geistlich und nüchtern zuging. Er betonte, dass hier zwischen Geist und Fleisch zu unterscheiden sei. Unnüchterne Brüder wies er zurück.
In jener Zeit wurden viele Christen davon getrieben aus der Kirche auszusteigen. Überall im Oberbergischen entstanden Brüderversammlungen und Freikirchliche Gemeinden. Für Engels wurde es sehr schwer, klar den Weg durch die Mitte zu gehen. Er liebte seine Kirche und lehnte den Separatismus ab. Weil er mutig und klar seinen Weg ging, fanden viele eigenwillige Geschwister den Weg in die Gemeinde zurück.
Als sein Vetter Neviand aus Wuppertal, seine Pläne zu Gründung Freier Gemeinden vorlegte, widerstand er ihm. Er war nicht bereit diesen Weg mitzugehen, weil er wusste: „Nicht Systeme verändern die Herzen, sondern die Hingabe an Jesus Christus.
Engels kannte seine Platzanweisung, an der es galt, den Auftrag des Herrn zureichend und umfassend auszuführen. So war er in der Lage, auch der Schwärmerei und Unnüchternheit klare Schranken zu setzen. Er stand diesem Geist der Trennung auch so entgegen, dass er separatistisch gesinnten Männer weder reden noch beten lies.
Engels musste sich in diesen Tagen harte Vorwürfe anhören. Ein Mann aus der Versammlung schrieb ihm: „ Sie haben durch ihre öffentliche Ablehnung unserer Sache eine Sünde wider den heiligen Geist begangen“ Engels lies sich nicht erbittern. Viele hat er durch seine Freundlichkeit zurück geholt.
45 Jahre wirkte Pastor Engels in Nümbrecht.
Sein Herr gab ihm die Ausrüstung, damit er diesen schweren Auftrag erfüllen konnte und man heute noch die Spuren des Segens erkennen kann.
Er wurde in den vielen Jahren seines Dienstes mehr und mehr zum Vater der Gemeinde. Er kannte sie alle und war interessiert an ihrem Wohlergehen. In väterlicher Fürsorge ging er auch den geringen Problemen und Sorgen seiner Gemeindeglieder nach.
Er war unerbittlich fest, wenn es darum ging, Menschen Jesus zu bezeugen.. Da kannte er kein Kapitulieren und kein Vermitteln. Andererseits war er zart, wie eine Mutter tiefgesunkenen Menschen gegenüber. Für ihn gab es eben keine hoffnungslosen Fälle. Er hatte Geduld und gab niemanden auf,
Macht über Menschen hatte er deshalb, weil er sich nicht über sie stellte, sondern sich mit ihnen, in der Gemeinschaft der Sünder zusammen schloss, mit denen, die Gottes Erbarmen brauchten und Gottes Gnade ersehnten.
Leider hatte Engels hatte eine schwache Gesundheit. Rasende Kopfschmerzen haben ihn oft geplagt. Als er alt und müde geworden war, wollte er von seinem Amt zurücktreten. Aber die Presbyter baten: „Herr Pastor bleiben sie! Die Predigten und Amtshandlungen kann ihn der Hilfsprediger abnehmen. Wenn sie uns am Schluss des Gottesdienstes noch segnen, dann sind wir ganz zufrieden“.
Jakob Gerhard Engels war auch am letzten Tag seines Lebens im Dienst. Am 16. Februar 1897 besuchte er eine Presbyteriumssitzung. Später um 18.00 Uhr begann eine Bibelstunde im Waisensaal. Nach dem die Brüder gesprochen und gebetet hatten, ergriff Engels das Wort und zitierte die Liedstrophe: „Drücke deinen süßen Jesusnamen brennend in mein Herz hinein“
Am selben Abend rief ihn der Herr in sein ewiges Reich. Ein Gehirnschlag beendete sein Leben
Sein Testament schließt mit den Worten: „Herzlich danke ich dir für alle Liebe, die mir so reichlich zuteil geworden ist. Mein einziger Trost ist die Gnade Gottes in Jesus Christus.“
Hans Henrici
Wenn Sie mehr über G.J. Engels erfahren möchten, erwerben sie sich bei der Kirchengemeinde:
Arno Pagel: Jakob Gerhard Engels, von der Macht eines wahren Jüngers Jesu
Presbyterium der Kirchengemeinde: Spurensuche 1996
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Sonstige Literatur:
Fr. Auge G. J. Engels, ein Lebensbild 1902
W. Haarbeck: Jesus und die Ewigkeit. Charakterbild und Zeugnisse von G.J Engels 1903
Ernst Buddeberg: G.J. Engels, ein Ewigkeitsmensch 1929
Kirchenkreis an der Agger: Gemeindebuch 1951