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Christian Ley , der Dorfschullehrer aus Alsbach


Christian Ley, aus Alsbach,
der Dorfschullehrer in Niederbreidenbach,
(Gemeinde Nümbrecht)
geboren am 8. Juni 1818 in Alsbach, gestorben
 am 1. Oktober 1892 in Alsbach




Am 1.Oktober 1892 ist er gestorben, der Dorfschullehrer Christian Ley aus Alsbach (Gemeinde Nümbrecht)
Sein Freund und Bruder, Pastor Gerhard Jacob Engels, hielt eine herzbewegende Trauerrede.
Die versammelte Gemeinde trauerte nicht nur um einen begnadeten Lehrer, sondern auch um einen vollmächtigen Gottesmann. Abschied nahmen nicht nur die Schulkinder, die Mit-
glieder der Chöre und der Jünglingsvereine, sondern viele Freunde aus nah und fern, denen er durch sein vorbildliches Leben ein Segen geworden war.
Selbst die Kollegen, die für sein tiefgreifendes Glaubensleben kein Verständnis aufbringen konnten, schätzten und achteten ihn. Sie sagten: „Der Ley war eben kein christlicher Schwätzer.“
Seine Kindheit und Jugendzeit
Am 4. Juni 1818 wurde Christian als das jüngste von vier Kindern geboren. Sein Vater Johann-Wilhelm Ley war Lehrer im Nachbardorf Niederbreidenbach, der nebenbei eine kleine Landwirtschaft betrieb, ohne die er seine Familie nicht hätte durchbringen können.
Biblische und religiöse Fragen interessierten ihn in seiner Kindheit nicht besonders, bis zu jener Stunde, wo ein merkwürdiger Mann vom „Wuppertale“ ins Bergische kam. Der erzählte den Leuten schlicht und einfach von der Liebe Gottes. Er setzte sich mit den Leuten auf den Höfen zusammen und duldete Widerspruch und Feindschaft. Oberdorsten hieß der Mann. Er hatte Vollmacht. So entwickelte sich still und leise im Leben des Christian ein Fragen nach dem lebendigen Gott.
Mit zwölf Jahren verließ er die „Hofschule“ seines Vaters. Bei Lehrer Gösser in Nümbrecht bekam Christian Unterricht in französischer Sprache, im Klavierspielen und Zeichnen. Auch der Elementarunterricht wurde weiter geführt. Der Vater musste dafür eine hohe Summe zahlen, die ihm nicht leicht viel.
Das war eine Zeit, in der im „Nümmert“ vieles im Argen lag. Spiel, Tanz und Saufen und Schlägereien waren an der Tagesordnung. Die Männer Thümmel und Engels, die eine Wandlung brachten, waren noch nicht da. Christian erzählte später, dass die Predigten der Pastoren Hengstenberg und Steins höchstens eine Viertelstunde gedauert habe, der Wirtshausbesuch aber bis spät in die Nacht. Die Frauen hatten einen schweren Stand, wenn sie ihre betrunkenen Männer nach Hause holen wollten.
Der Vater schickte seinen Sohn anschließend zu Lehrern, die einen guten Ruf hatten. Christian hat diese Zeit als sehr gefährlich für seine Entwicklung eingestuft. Er bekannte. „Er sei sehr nahe an jene Grenze des Bummels geraten und habe sich fast im leidenschaftlichen Kartenspiel verloren."
Von 1836- 1838 besuchte er das Lehreseminar in Neuwied. Nach sechs Wochen Soldatenausbildung in Köln vertrat er seinen kranken Vater im Schuldienst. Nach zwei Jahren Schuldienst in der Nähe von Trier kam er heim nach Alsbach.
Die Familiengründung
Seine große Liebe galt Eleonore Holländer aus Mildsiefen, von der die Dorfbewohner sagten: „Es sei das schönste Mädchen, dass am Sonntag in der Nümbrechter Kirche säße." Dieses kluge Landkind teilte schon als Braut alle Interessen des Bräutigams.
Am 17. Februar 1838 war Hochzeitstag. Die Trauung hielt Pastor Steins, der später vom Presbyterium entlassen wurde. Der Bau seines Hauses in Alsbach, der Anlagen und die Bepflanzung des Gartens und der Wiesen mit Obstbäumen begann. Das Geld war rar, denn er musste seinem Vater Johann Wilhelm Ley jährlich eine Rente von 60 Thalern auszahlen. Der Sohn war sehr enttäuscht über seinen Vater, als der von ihm verlangte, dass diese Abmachung notarisch festgelegt werden sollte.
Nach einem Schulfest starb der Vater sehr plötzlich. Es gab durch den Vater verursachte Spannungen. Obwohl der Sohn zum Sterbelager eilte, reichte es nicht mehr zu einem aussöhnendes Gespräch. Dieses traurige Erlebnis wurde für den Sohn der Impuls zu seiner persönlichen Glaubensentscheidung und zur Jesusnachfolge. Später berichtet Christian, dass sein Bekehrungserlebnis sich nicht plötzlich ereignete, sondern über eine längere Zeit hinzog. Es ist aber bemerkenswert, dass es den einen Augenblick gab, wo sich der Suchende von Jesus angenommen wusste.
Von diesem Tag an nahm sein Leben eine klare Richtung ein. Er kam unter die erziehende Hand Gottes. Es gab noch viele Niederlagen, die er zwischendurch einstecken musste, aber der neue Anfang war da.
In jener Zeit, wo der junge Lehrer Heilsgewissheit findet, ist Pastor Thümmel Seelsorger in Nümbrecht (1846- 1850).
Es kam das tolle Revolutionsjahr 1848. Die Wogen schlugen auch im Schulbezirk Niederbreidenbach sehr hoch. Eltern erhoben sich zum Protest gegen den Staat und gegen die Schule. Es gab sogar eine Anklage gegen den jungen Lehrer. Gott führte diese Auseinandersetzungen zu einem guten Ende, aus der Christian Ley siegreich trotz allen Hasses und aller Anfechtungen hervorging.
Als Gerhard Jacob Engels nach Nümbrecht kommen sollte, um seinen Dienst anzutreten (1851), schrieb ihm Christian Ley: „Denken Sie nur nicht, dass hier kein Kampf mehr wäre, weil Sie einhellig gewählt und die Gemeinde in der langen Zeit ziemlich ruhig gewesen ist. Sobald Sie das Feuer des Evangeliums neu anschüren in der Kraft des Heiligen Geistes, werden die Ottern aus den Löchern kommen.“ Und dann schreibt er ihm folgendes: „ Ich rate Ihnen, im Pastorat zu schlafen. Ich weiß, die Herren im Dorf wollen Sie prüfen, ob sie abstoßend oder zuvorkommend wären. Wie es aber dort geht, werden Sie nachher zur genüge erfahren. In Nümbrecht ist man sehr zudringlich. Die Köpfe werden erhitzt, die Zunge entzündet und dann bleiben die Anfechtungen nicht aus. Wenn Sie am anderen Tag sich dann so sagen müssten, Sie hätten den Herrn nicht genug bekannt, so wäre das betrüblich für Sie. Am besten ist also, sie essen im Gasthof Br. und schlafen im Pastorat“
Im Jahre 1857 meinte Lehrer Ley, es sei um seiner Familie willen ratsam, eine Stelle als Schulinspektor in Boppard am Rhein anzunehmen. Seine Kinderschar wuchs, Bauschulden lagen auf seinem Haus und das Gehalt reichte nicht. Der Obstgarten war jung, trug aber noch keine Früchte. Pastor Thümmel war es, der ihm die Stelle vermitteln konnte. Der Verstand sagte ihm. „Du musst alles tun, um deine Familie durchzubringen.“ Doch die herben Konflikte in Boppard zeigten ihm bald, dass dieser Schritt nicht dem Willen Gottes entsprach. Ein Besuch in Alsbach machte ihm klar, das er rückkehren sollte.
Die Freunde und Nachbarn begrüßten ihn mit kräftigem Händedruck: „Gut, dass du wieder da bist.“
Der Lehrer und Erzieher daheim in Niederbreidenbach
Lebenslang blieb seine Schule eine einklassige Normalschule mit bis zu 140 Kindern, ein Arbeitsplatz mit angehäuften Schwierigkeiten.
Nach der Schulzeit stand der Lehrer auf seinem Acker oder mühte sich mit Nachhilfestunden, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu bewältigen. Abends tat er seinen Dienst in den Bibelstunden, christlichen Chören oder Jugendvereinen.
Das alles konnte er nur durch einen überaus pünktlichen Tageslauf über Jahrzehnte auf seiner Höhe halten.
Seine einklassige Dorfschule benötigte eine meisterliche Planung des Unterrichtens und der Selbstbeschäftigung der einzelnen Abteilungen, dazu ein geschicktes Einplanen der begabten Kinder. Sie mussten den Kleineren das Lesen und Schreiben beibringen. Er hatte trotz der vielen Kinder die Übersicht.
Er sah die Früchte heranreifen, wenn er sie acht Jahre lang unter seinem Einfluss hatte.
Lehrer Ley wurde mehr und mehr zu einer Respektperson, der man Achtung und Verehrung entgegen brachte. Die bei Ley in die Schule gegangen waren, konnten rechnen und lesen.
Natürlich war er auch ein Patriot, der ein ordentliches Gewicht auf den Geschichtsunterricht legte.
Der Lehrer aus Alsbach war auch ein Freund der Heimat. Er entwarf Karten des Kreises Gummersbach, die kartografisch und pädagogisch einwandfrei waren. Er zeigte den Kindern die Naturzusammenhänge auf, zog mit ihnen durch die oberbergische Landschaft, sammelte Heimatlieder und sang sie mit seinen Schülern. Er übte mit den Kindern den Anbau von Pflanzen und Gemüse. Jeder Junge lernte das Veredeln von Obstbäumen.
Der Schulunterricht in Niederbreidenbach begann mit einem freien Gebet. So konnte er nicht nur die Kinder und Familien, sondern auch die Höfe Gott ans Herz legen. Die Kinder sagten: „Unser Lehrer verkehrt mit Gott, als sähe er ihn.“
Die Kinder sangen mehrstimmig. Singen machte den Kindern Freude. Darum hielten sie auch die Texte in ihrem Gedächtnis. Sie waren später in der Lage, die biblischen Geschichten nachzuerzählen. Sie erinnerten sich daran, wenn das Kopfwissen ihre Herzen erreichte. Ley hatte Vollmacht, darum wirkte das, was er den Kindern sagte, in ihr kindliches Leben hinein.
Er verstand es auch, die großen Linien des Glaubens für ihr Leben aufzuzeichnen. Das Allerwichtigste aber war, dass die Kinder trotz alle Strenge wussten, der Lehrer Ley hat uns lieb und unsere Seelen sind ihm teuer.
So blieb er auch ihr geistlicher Führer, wenn sie aus der Schule entlassen und erwachsen wurden.
Pastor Gerhard Jacob Engels, der von 1851 bis 1896 Pfarrer in Nümbrecht war, war sein persönlicher Freund. Wenn Engels auf seinen Gängen ins untere Kirchspiel kam, war er selbstverständlich Gast des Hauses. In ihren Gesprächen spielte die Sehnsucht und Hoffnung auf den wiederkommenden Christus eine große Rolle. Beide waren aber auch nüchtern genug, die Dinge des Tages, die Angelegenheiten der Gemeinde, das weite Gebiet der Mission im Auge zu haben und im Gebet vor Gott zu tragen.
Christian Ley liebte die erwärmende bibeltreue Theologie seines Freundes und die apostolische Vollmacht. Beide, Engels und Ley, überzeugten durch ihre konsequente Jesusnachfolge. Sie waren Menschen der Kraft, der Ruhe und der Sicherheit, die das Wort gelten ließen. Manche Bibelstunden auf den Höfen haben sie auch gemeinsam gehalten. Die Art der Verkündigung beim Pfarrer war tiefschürfend, die des Lehrers praktisch und volksnah. So ergänzten sie sich.
Sie liebten nicht die in ihrer Zeit entstehenden separatistischen Abspaltungen von der Kirche. Sie bedauerten sehr, wenn in den umliegenden Kirchengemeinden die Christen wegen ihrer liberalen Pfarrer Brüderversammlungen und frei Gemeinden gründeten.
Lehrer Ley liebte die Brüder. Darum wendete er viel Zeit auf, sie zu besuchen. Sie kamen auch in sein gastliches Haus, um sich Rat zu holen. Er reiste ins Siegerland und Sauerland, um den landeskirchlichen Gemeinschaften mit dem Evangelium zu dienen.
Er sah aber auch eine Entwicklung voraus, die uns bis heute beschäftigt. Er sagte: „Die Staatskirche ist verweltlicht. Zunächst wird eine Volkskirche kommen und dann die Freikirchen.“
Er, der in der Kirchengebundenheit lebte und arbeitete, hatte den Weitblick, dass die wahre Kirche nicht darstellbar ist, doch dass sichtbar ist, wo die Brüder sind.

Der Lehrer vor den Toren der Ewigkeit
Wir schreiben das Jahr 1885. Christian Ley, der schon immer mit Kopfschmerzen zu tun hatte, wie sein Freund Engels, hatte solche Schwächen, dass er den Schulunterricht aussetzen musste. In die Kirche konnte der treue Presbyter nicht mehr gehen. Er saß geschwächt in seiner Alsbacher Stube und betete für seinen Freund Engels, dass seine Predigten zünden und Segen bringen sollten. Er war ruhebedürftig. Die Spannkraft war verbraucht. Er schrieb sein Abschiedsgesuch. Am 13. September 1885 erhielt er seine Pensionierungsurkunde.
Am 21.Oktober fand in Niederbreidenbach ein großes Abschiedsfest statt. Alle Dorfbewohner, alle Kinder waren versammelt, dazu die Vertreter der Verwaltung. Pastor Engels hielt die Rede über den Bibeltext: „Wer bin ich und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast?“
Der alte Lehrer dankte und betete: „Was ich gefehlt, das decke zu! Was ich noch leb‘, regiere du.“
Die Aufzeichnungen des Lehrers enden mit dem Jahre 1892. Des Schreibers Hand kann nicht mehr.
Im September desselben Jahres wird er ernstlich krank. Am Erntedankfest ist er daheim. Sein Ziel heißt Ewigkeit.



Quelle: Wilhelm Ley: Christian Ley, Der Lehrer aus Alsbach
 1927 Emil Müller‘s Verlag, Barmen
Fr. Auge´: G.J.Engels: Ein Lebensbild, 1902, Verlag des Erziehungsvereins, Neukirchen
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