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Wie die Evangelische Kirchengemeinde Nümbrecht entstand

Unsere Kirchengemeinde hat ihre Anfänge in der Mitte des neunten Jahrhunderts. Eine lange Geschichte, die sich in den Bauepochen unserer Kirche widerspiegelt.

Vieles liegt im Dunklen.

Hell wird es, als im Jahr 1563 die Reformation eingeführt wurde. Treibende Kraft unter den homburgischen Landesherren war dabei Ludwig der Ältere, der sicher einer der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit war. Er sprach und verstand viele Sprachen, hatte sich intensiv mit theologischen Fragen befasst
Ludwigs Devise lautete: „En Dieu ma demeure“, was etwa heißt: Bei Gott habe ich eine feste Statt.
Graf Ludwig der Ältere wandte sich später immer mehr den Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin zu und war deren eifrigster Vorkämpfer. Er hatte einen guten Überblick über das, was damals in Europa geschah, war er doch einmal Kammerherr im Hofstaat von Papst Paul dem IV. gewesen. Er kam in Verbindung mit den Theolo-gen Olevian und Usinus, den Verfassern des Heidelberger Katechismus, den er dann in Wittgenstein einführte.
In den Herrschaften und Ämtern innerhalb der der Grafschaft Sayn, versuchte der letzte Graf aus der saynischen Linie, seinen Anteil an Homburg entgegen den Haus-verträgen unter Umgehung des Wittgensteiner Erstkaufrechts an die Herzöge von Berg zu verkaufen. Er war ein exzessiver Bauherr und litt unter fortwährendem Geldmangel.
1604 kam es unter Graf Ludwigs Verhandlungsführung zum Siegburger Ver-gleich zwischen dem Grafen von Sayn-Wittgenstein und dem Herzog von Berg. Die Herrschaft Homburg wurde zur Hälfte an Berg abgetreten. Im verbleibenden Ge-biet, den heutigen Zivilgemeinden Wiehl und Nümbrecht, blieb Sayn-Wittgenstein alleiniger Herr. Die Kirchspiele Waldbröl und Morsbach kamen zur Grafschaft Berg.

Das ist die Geburtsstunde des „modernen“ Staates Homburg, dessen Mehrherrigkeit mit unterschiedlicher Leibeszugehörigkeit seiner Untertanen damit ein Ende fand.

Graf Ludwig der Ältere behielt Nümbrecht und Wiehl und all die Orte, die heute zu diesen Gemeinden gehören.

Nach dem endgültigen Abschluss der Verhandlungen mit dem Grafen von Berg, am 19.November 1604, wurde mit der Einführung des reformierten Bekenntnisses begonnen.
Graf Ludwig, der das Ende seines Lebens nahen fühlte, übertrug diese Aufgabe seinem Sohn  Graf Georg. Er kam noch einmal nach Nümbrecht, nahm an der Abendmahlsfeier nach reformiertem Brauch teil und starb auf der Heimreise am 2.Juli 1605.
Die Umgestaltung der Kirche durch Graf Georg geschah mit großer Besonnenheit und war mit seinen Lehrern und Theologen abgestimmt.
Der befähigste und klügste Mitarbeiter war der reformierte Hofprediger seines Bru-ders, des Grafen Ludwig, in Laasphe, Pfarrer Crocius. Er wurde 1605 nach Nüm-brecht geschickt. Er brachte nicht nur den Heidelberger Katechismus mit, sondern auch eine neue straffe reformierte Kirchenordnung. Sie regelte die Idee der refor-mierten Zucht innerhalb und außerhalb des Gottesdienstes. Das Besondere an ihr war das strenge Heranziehen der Gemeinde zum Gottesdienst, die Unterweisung, die Betonung der Buße zur Erweckung des Glaubens, Verantwortung der Ältesten und die Einführung der Psalmen in den Kirchengesang.
Das“ Lutherische“ wurde nicht gänzlich ausgefegt, so wurde z.B. die Privatbeichte und die Liturgie beibehalten. Es gab auch in diesem Zusammenhang polizeiliche Verordnungen über Hochzeiten, Kindertaufen und vieles andere mehr.
Diese „zweite Reformation“ -  wie die erste von oben bestimmt - stieß auf manche Schwierigkeiten, besonders bei den Pfarrern. Pfarrer Albert Schnabel verlies seine Pfarrstelle. Vorübergehend wurde der Feudinger Pfarrer Wilhelm Wunderlich berufen - er kehrte bald nach Feudingen zurück, weil er die Pfarrei von seinem Vater über-nehmen konnte.  Schon am 25.August 1605 begann er dort seinen Dienst.
Jetzt wurde Pfarrer Kuhn (Cunius) berufen, der seinen Dienst bis 1625 in Nümbrecht in großer Treue tat.
Natürlich wurde in dieser Aufbruchzeit der calvinistischen Lehre mit allem, was „rö-misch katholisch“ aussah, aufgeräumt. Altäre wurden durch Abendmahlstische er-setzt, alle Wertsachen der Kirche „nützlich verkauft“ und durch einfache gottesdienst-liche Geräte ausgewechselt. Die wunderbaren Wandgemälde  (Fresken ) übertüncht. Die Gemeinde musste Älteste einsetzen, einen Kirchmeister und Almosenpfleger. Eine ganz neue Einrichtung kam hinzu: die Hauslehre, die einmal jährlich in den Ort-schaften gehalten wurde.
Die Mitarbeiter der Kirchengemeinde erhielten vom Grafen theologische Literatur, die die reformierte Lehre fördern sollte.
Die Pastore, Diakone und Lehrer sollten  „ehrliche“ Gehälter bekommen. Die Kir-chenzucht wurde neben der Lehre in den Vordergrund gestellt.
Während des Dreißigjährigen Krieges, der 1618 begann, wurde durch die schreckli-chen Ereignisse, durch ungeschicktes Verhalten der Fürsten, aber auch durch die später aufbrechende theologische Aufklärung, die Entwicklung in der Kirche sehr  geschwächt.
Der Heidelberger Katechismus
aber blieb eiserner Bestand aller kirchlichen Lehre bis in die Gegenwart. Für viele ist er bis heute neben der Heiligen Schrift ein Wegweiser zur Ewigkeit.
Dieses „christliche Unterrichtsbüchlein“ - wie das Wort Katechismus ins deutsche übersetzt heißt -  wurde 1563 von dem Kurfürsten Friedrich III.  von der Pfalz in Hei-delberg herausgegeben. Der Entwurf dieses Lehrbuches stammte vom dem berühm-ten Theologen Zacharias Ursinus. Er hatte bei Philipp Melanchthon studiert und in Genf den Reformator Johannes Calvin kennen gelernt. Zur  Beratung wurde der Theologe Caspar Olevianus (aus Olevig bei Trier) hinzugezogen, der als Verfolgter durch die Katholische Kirche in Berleburg aufgenommen worden war. Das Unter-richtsbüchlein erfreute sich bald hoher Wertschätzung, so dass es noch in demsel-ben Jahr ins Holländische übersetzt wurde.
Seit vielen Jahren ist dieser Katechismus die Bekenntnisschrift der Reformierten Kir-che
Englische Christen, die ihn entdeckten, erzählten: „Unserer Brüder auf dem Festland haben ein Büchlein, dessen Blätter nicht mit Tonnen Gold zu bezahlen sind.“
Inzwischen ist der Katechismus in fast allen Sprachen der Welt übersetzt und der modernen Redeweise angeglichen worden.
Wenn Sie ihn lesen, erkennen Sie, dass er für suchende Menschen eine sehr große Hilfe ist, um zu verstehen, warum wir Christen sind und was wir Christen glauben.
Wollen Sie den Weg zur Dankbarkeit finden? Davon weiß der Heidelberger Kate-chismus viel zu sagen. Er stellt 129 Fragen und gibt klare biblische Antworten..
Unübertroffen ist die Antwort auf die Frage 1 :
Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland gehöre.
Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus der Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupte kann fallen, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.
Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit. Ihm fortan zu leben .
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H
Vielen Dank für diesen spannenden Artikel.
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