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Dr.August Lang

 

Professor Dr. theol. August Lang

26. Februar 1867 – 2.Dezember 19451945

Ein Huppichterother Bauernjunge hört den Ruf zum Dienst

In der ersten Januarwoche findet in Deutschland und darüber hinaus in der ganzen Welt, seit über hundert Jahren, eine Veranstaltungsreihe statt, die von Christen aus Kirchen und Freikirchen verantwortet wird: Die Gebetswoche der Evangelischen Allianz. Auch bei uns in Nümbrecht ist das so. Bei Nachforschungen über dieses Thema stieß ich auf einen Mann, der sicher nur deshalb in Vergessenheit geraten ist, weil er kurz nach den Wirren des zweiten Weltkrieges verstorben ist.

Der Freund der  Evangelischen Allianz und Ökumene hieß August Lang.

Er liebte von Jugend an die Schwestern und Brüder im Glauben und suchte die Gemeinschaft mit ihnen. Er fand sie in aller Welt. Seines Zeichens war er Professor und Doktor der Theologie.

August Lang wurde am 26.Februar 1867 in sehr armen Verhältnissen in Huppichteroth (Gemeinde Nümbrecht) geboren. Sein Vater, Wilhelm Lang war Landwirt von Beruf. Vater und Mutter waren lebendige Christen, die sich froh zu ihrem Herrn bekannten. Wir wissen, dass seine Mutter, Amalie, geb. Sohn die Kinder in der Sonntagschule sammelte und ihnen biblische Geschichten erzählte.

August Lang hat ein ganzes Leben lang dankbar von seinen Eltern gesprochen, die ihn als Kind sehr förderten und ihm das Studium ermöglichten.

Er sagte von seinen Eltern, dass sich in ihren Augen etwas von der Klarheit Gottes im Angesicht Jesus Christi wieder gespiegelt habe.

Als Gelehrter hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich als zwölfjähriger Junge bekehrt habe und dass es dadurch in seinem Leben zu einer tiefgreifenden Wandlung gekommen sei.

Viele Christen waren in jenen Zeiten nicht davon überzeugt, dass Kinderbekehrungen ein ganzes Leben halten und tragen würden.

Sein Seelsorger Pastor Gerhard Jakob Engels und sein Lehrer Hornbruch in Nümbrecht sahen das anders und haben seine Glaubensentscheidung sehr positiv beurteilt. Seine frühe Bekehrung war sicher ein wichtiger Grund dafür, dass seine Entwicklung sehr gradlinig verlief. Er bekannte, dass er in seinem Leben nie Zweifel an der Wahrheit des Evangeliums gehabt habe.

Pfarrer und Lehrer haben sehr früh die Gaben des aufgeweckten Jungen entdeckt und dafür gesorgt, dass er mit Hilfe eines Gönners aus Elberfeld den Weg zum Gymnasium in Dillenburg und an die Universität in Bonn finden konnte.

In Bonn lebte er als Student im Haus des katholischen Professors Hüffer, der Historiker und Geheimer Rat war. Ihm wusste sich August Lang ein ganzes Leben verpflichtet.

1890 promovierte er in Bonn zum Lic. theol. und wurde Hilfsprediger an der reformierten Bethlehem-Gemeinde in Berlin. In dieser Zeit arbeitete er auch als Domkandidat unter Hofprediger Kögel und Adolf Stöcker, der  gerade die Berliner Stadtmission gegründet hatte.

Am 3. Dezember 1893 erfolgte seine Ordination an der Domkirche in Halle an der Saale. Er wurde dritter reformierter Pfarrer an der Domkirche. Zuerst dachte er nicht daran in dieser Stadt zu bleiben, um hier seine Heimat zu finden.

Hier aber kam er mit Christen aus Kirchen und Freikirchen zusammen, die ihm auf der Suche nach einer Vertiefung des Glaubens sehr gestärkt haben. Diese Begegnungen gaben seinem Dienst nicht nur Farbe sondern auch Festigkeit und Weite.

Seine große Liebe fand er in einem Mädchen aus Huppichteroth, Ida Harscheid Die kirchliche Trauung fand am 10. September 1895 in der Nümbrechter Kirche statt. Pastor Haarbeck hielt die Trauung. Leider lag über diesen ersten Ehejahren ein tiefer Schatten. Seine Frau litt an einer unheilbaren Krankheit und verstarb. Er heirate Elisabeth Calaminus aus Elberfeld, die seinen Kindern eine gute Mutter war..  Er hatte zwei Töchter aus erster Ehe und einen Sohn aus der zweiten.

Seine jährlichen Ferien verbrachte August Lang in seinem Heimatdorf.

52 Jahre hat er in Halle gewirkt als Pfarrer am Dom, als Superintendent und als Universitätsprofessor.

Nach achtjähriger Tätigkeit habilitierte er sich und schrieb seine Doktorarbeit über das Thema: „Der Evangeliums- Kommentar Martin Bubers und die Grundlage seiner Theologie.“

Als Privatdozent und später als Titularprofessor lehrte er neben seinem Pfarramt an der Universität in Halle „Reformierte Kirchengeschichte“. 1918 ernannte ihn die Uni zum ordentlichen Honorarprofessor.

Er war ein bedeutsamer Wissenschaftler und Kenner der reformierten Bewegung und Kirchengeschichte

1920 wurde er Moderator (Vorsitzender) des Reformierten Bundes und 1929 Mitbegründer der reformierten Hochschule in Elberfeld.

Er wollte im Dienst am Herrn etwas Zuwegebringen und hat sich ein Leben lang voll eingesetzt. Wenn man ihn bat, es sich doch nicht so schwer zu machen und sich auch mal Ruhe zu gönnen, wehrte er sich mit dem Wort des Herrn: „Wer nicht im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen nicht treu.“

Er sagte: „Wir sollten in unserem Leben nicht auf die großen Gelegenheiten warten, von denen wir nicht wissen, ob sie jemals kommen werden, sondern sollen und dürfen in Alltag, in Schule und Beruf, die Möglichkeiten nutzen, die uns gegeben sind, damit sie uns Stufe um Stufe aufwärts bringen. So lernen wir uns da einzusetzen, wo Gott uns hingeführt hat und uns so einzubringen, wie es seinem Willen entspricht.“

In den Jahren 1913 und 1921 hat er an verschiedenen US-Universitäten Vorlesungen gehalten. Sein internationales Ansehen zeigte sich auch darin, dass er an zwei Weltkirchenkonferenzen 1925 in Stockholm und 1927 in Lausanne zu einem Referat eingeladen war. Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Geschichte des reformierten Protestantismus

Er war Ehrendoktor an der Universität in Genf, an der ungarischen theologischen Fakultät Debrecen und Ehrenprofessor der ungarischen Universität in Saraspatak.

Bis ins hohe Alter hat er die Verbindung zu seinen Glaubensgeschwistern gepflegt. Zum Beispiel auch zu seinem Domchor, den Missionsvereinen, dem reformierten Studentenkonvikt, dem reformierten Bund. Vielen stand er auch durch seelsorgerliche Briefe mit Rat und Tat zur Seite. Mit seiner Familie, mit seinen Kindern und Enkelkindern war er aufs herzlichste verbunden. Seine letzten Jahre brachten ihm noch viel Aufregung, weil ein Teil seiner Familie der Flucht aus dem Warthegau antreten musste. Am Freitag vor Pfingsten im Jahr 1945 verlor er seine Tochter durch einen schrecklichen Verkehrsunfall. Das traf ihn hart.

Auch als seine Kräfte nachließen hat es sich noch mit Werken des Evangelischen Theologen Karl Heim beschäftigt. Das wurde aus seinen Aufzeichnungen sichtbar, die bei ihm gefunden wurden.

Still ist er am 2. Dezember im Jahr 1945 heimgegangen und am 6.Dezember von seiner Domgemeinde in Halle beerdigt worden.

Seine Lebensforschung kreiste um die Frage 60 des Heidelberger Katechismus: Wie bist du gerecht vor Gott?

Die Antwort lautet:

Allein durch den wahren Glauben an Jesus Christus. Zwar klagt mich mein Gewissen an, dass ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe, auch bin ich immer noch zu allem Bösen geneigt. Gott aber schenkt mir ohne mein Verdienst aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi. Er rechnet sie mir zu, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selber den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat.- Wenn ich diese Wohltat mit gläubigen Herzen annehme, bin ich gerecht vor Gott.

Quellen:

Dr.Heinrich Schild: Chronik der Gemeinden Nümbrecht und Marienberghausen, (1977)

Kopierte Aufzeichnungen von der Beerdigung im Besitz von H. Schäfer

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